ISO lehnt chinesischen WLAN-Standard ab

March 13, 2006

TAIPEH — Die International Organization for Standardization (ISO) hat mit überwältigender Mehrheit Chinas Vorstoß abgelehnt, die proprietäre WLAN-Technologie des Landes als Standard zu etablieren. Basis eines neuen, sichereren Protokolls für drahtlose lokale Datennetze wird statt dessen der vorliegende Standard IEEE 802.11i.

Nur eine Minderheit der ISO-Mitglieder hatten Chinas Normvorschlag, genannt Wireles Authentication and Privacy Infrastructure (WAPI), unterstützt. Nach Unterlagen, die der EE Times vorliegen, hatten hingegen 86 Prozent der Wahlberechtigten 802.11i den Vorzug gegeben. Die Abstimmung hat bereits am vergangenen Dienstag stattgefunden, doch will die ISO die Ergebnisse frühestens diese Woche bekanntgeben.

China hatte bereits im Oktober mit seinem überarbeiteten WAPI-Vorschlag ein verkürztes Abstimmungsverfahren angestrebt. Wenngleich die Abstimmung mit Spannung erwartet worden war, kommt das Ergebnis für die meisten Branchenbeobacher nicht überraschend. Der IEEE-Standard ist im Markt bereits fest verankert; außerdem war er in einem offenen Prozess zustande gekommen.

In Kommentaren, die einige ISO-Mitglieder zusammen mit ihrer Stimme abgaben, brachten sie ihre Besorgnis zum Ausdruck, dass die WAPI-Entwicklung in einem relativ intransparenten Verfahren vollzogen worden war. Ein Teil der Basistechnik, darunter die Sicherheits-Algorithmen, wurde nicht offengelegt. Auf Ablehnung stieß auch der Umstand, dass WAPI nicht kompatibel zu 802.11i und seinen Vorgängern ist.

Die Ablehung durch das Normierungsgremium muss für WAPI dennoch nicht das Ende bedeuten. Viele ISO-Mitglieder brachten ihren Wunsch nach einer 'Harmonisierung' der beiden Standards zum Ausdruck. Allerdings war klar, dass eine solche Harmonisierung nur auf Basis von 802.11i stattfinden würde.

"Wir meinen, dass Elemente von 1N7904 (WAPI) Mechanismen enthalten, die möglicherweise eine wertvolle Erweiterung von ISO/IEC 8802-11 und anderen künftigen Standards darstellen könnten. ... Daher sehen wir in der Annahme von 1N7903 (802.11i) keinen finalen Akt. Es wird immer einen Bedarf an verbesserten Sicherheitsmechanismen geben, um neue Merkmale und Schutz gegen Bedrohungen anbieten zu können", erklärte die neuseeländische Standardisierungsgruppe.

Andere Kommentare thematisierten den immensen Druck von Lobbyisten, dem sich manche ISO-Mitglieder während des fünfmonatigen Abstimmungsprozesses ausgesetzt sahen. Während dieses Zeitraums hatte die IEE-802.11-Arbeitsgruppe eine detaillierte Argumentation gegen WAPI veröffentlicht. Das hatte einen verärgerten Aufschrei des chinesischen Standardisierungsgremiums ausgelöst und die Spannungen zwischen den Parteien verschärft.

Ein erster Hinweis auf die Möglichkeit einer Integration ausgewählter WAPI-Technologien in einen ISO-Standard ist im Juni zu erwarten – dann treffen sich die ISO-Mitglieder in Prag, um die Ergebnisse der Abstimmung zu diskutieren. Gegenüber EE Times erklärte die IEEE, man arbeite "weiterhin engagiert an der Unterstützung des internationalen Standardisierungsprozesses". Außerdem halte das Gremium sein Angebot an China zur Harmonisierung der WAPI-Technik mit existierenden IEEE- und internationalen Standards aufrecht.

China hat unterdessen seine Absicht bekundet, WAPI weiter als Basis für seine Normvorschläge anzubieten. Gleichzeitig wollen die Chinesen die Technologie in ihrem Binnenmarkt verankern. WAPI sei sicherer als 802.11i, argumentierten chinesische Vertreter. Eine Industrievereinigung, der unter anderem Unternehmen wie Lenovo, Huawei und Bejing Founder Electronics angehören, will WAPI stärker forcieren. Fachleute bezweifeln aber, ob es der Vereinigung gelingen werde, genügend Druck zu machen, um WAPI an internationalen Märkten zu etablieren – dazu sei 802.11 bereits zu stark verankert. Sogar die Notebooks, die Lenovo in westlichen Ländern verkauft, nutzen den IEEE-Standard.

Dennoch ist davon auszugehen, dass China seine Anstrengungen verstärken wird, eigene Standards durchzusetzen. Dabei geht es nicht nur darum, die inländische Industrie zu unterstützen. Wegen des enormen Gewichts des chinesischen Markts besitzen solche Standards durchaus das Potential, sich am Weltmarkt durchzusetzen und damit einheimischen Unternehmen zu einer globalen Rolle zu verhelfen. Diese Strategie hatte die Europäische Union in den 80er Jahren mit ihrem GSM-Mobilfunkstandard erfolgreich verfochten und damit Ericsson und Nokia zu weltweiter Marktführerschaft gebracht.

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